Verpackung
Wie bereits am 05. Januar diesen Jahres berichtet,
verlief die Bestellung bei Apache-Labs in Indien völlig problemlos und sehr
professionell. Insbesondere nutzt Apache-Labs mit der Fedex ein hervorragendes
Logistikunternehmen, welches für die Zoll-Formalitäten eine große Hilfe
darstellt.
Die Verpackung des Anan entspricht dem normalen Standard.
In Styropor eingebettet, reist der Anan in einem kleinen Karton, welcher durch
einen großen Umkarton geschützt wird. Im Lieferumfang befinden sich des
Weiteren ein DC-Kabel sowie einige Ersatzjumper, über deren Zweck ich im
Weiteren noch berichten werde. Alles in allem hätte der Anan sowohl von Icom
als auch von Kenwood oder Yaesu geliefert sein können.
Professionelle Optik bei ansehnlicher Verarbeitung |
Zwar erscheint der physische Aufbau bei SDR grundsätzlich
wenig spektakulär oder sogar langweilig, dennoch gibt es in diesem Feld einiges
zu berichten. Bereits Anfang 2013 veröffentliche Apache-Labs die ersten Fotos
über das Serienmodell des Anan 100. Schon zu diesem Zeitpunkt gefiel mir die
Optik außerordentlich gut. Insbesondere die Miniatur-Rackgriffe hatten es mir
bereits zu diesem Zeitpunkt angetan. Die Begeisterung darüber blieb auch beim
Auspacken bestehen. Die Griffe sehen toll aus und sind zudem stabil genug, um
das Gerät damit tragen zu können. Der Anan selbst wirkt aufgrund seines
massiven Aluminiumgehäuses sehr stabil. Das Finish wirkt ordentlich und macht
insgesamt einen qualitativ guten Eindruck.
Zudem zeugt der Ein-/Ausschalter auf der Frontseite von
hoher Qualität und wirkt stabiler als die Pendants der Flexradios 1500, 3000
und 5000. Auch nach Betätigen dieses Schalters blieb ich freudig, denn der
Geräuschpegel des Anan schien mir deutlich angenehmer zu sein, als bei meinem zuvor
genutzten Flex 3000. Weiterhin befinden sich 3 Klinkenbuchsen auf der
Frontseite, welche den direkten Anschluss von Heil- oder Computerheadsets
ermöglichen sowie einen Anschluss für einen Keyer bieten. Insbesondere die
Möglichkeit, ohne Interface ein Electret-PC-Mikro anschließen zu können,
scheint mehr als zeitgemäß und ist gut gelungen. Je nach verwendetem
Mikrofontyp können im Inneren des Anan Jumper gesetzt werden, welche für
Electret-Mikrofone die notwendige Spannung bereitstellen oder dieses Feature,
beispielsweise für Heil-Headsets abschalten. Zudem lässt sich über die
Stereoklinken auch ein PTT-Signal einspeisen. Der Vorteil in der Jumper-Lösung
liegt in meinen Augen vor allem darin, dass der Verzicht auf
Mikrofon-Peripherie-Geräte (Adapter, Interfaces etc.) das Risiko von
Einstrahlungen deutlich minimiert. Da SDR im Gegensatz zu konventionellen TRX ohnehin
anfälliger auf vagabundierende HF reagieren, ist dieser Aufbau mehr als löblich
und sollte auch bei anderen Herstellern Schule machen. Als wesentlichster
Anschluss befindet sich an der Fronseite des Anan die RJ45 Buchse, welche der
Verbindung zu einem Computer oder Router dient. Dieses Design halte ich nicht
für die beste Lösung, da eine Montage der Buchse auf der Rückseite mit Blick
auf das optische Gesamterscheinungsbild geeigneter gewesen wäre.
Auf der Rückseite kann der Anan ebenfalls überzeugen. Es
findet sich eine Vielzahl von Anschlussmöglichkeiten, welche dem späteren
Betrieb und eigener Experimentierfreude kaum Grenzen setzen. Neben
Antennenanschlüssen, Empfangsantennenanschlüssen, 10 MHz In,
Transverteranschluss etc. findet sich zudem ein Sub-D Anschluss mit 25 Pins.
Dieser Anschluss hat es in sich. Neben erwarteten Features wie Line In (auch
als Mic In nutzbar) oder Line Out lassen sich sechs Pins durch den Nutzer
programmieren. Damit kann der Anan ohne Zubehör direkt eine Filterbank für
Bandpassfilter steuern, was insbesondere für Contester ein wichtiges Kriterium
sein kann.
Wird der Anan geöffnet - beispielsweise zur Änderung der
Jumperkonfiguartion - findet sich ein sauberer Aufbau auch im Herzen des
Gehäuses. Im Inneren dominieren die Platine HERMES HPSDR sowie die 100W PA.
Installation und
Einrichtung
Nach nunmehr vier Jahren Amateurfunk mit PowerSDR hat
mich die Einrichtung des Anan vor keine Herausforderungen gestellt. Der Anan
wurde mir mit der aktuellsten Firmware ausgeliefert, sodass die Installation
direkt starten konnte. Aus Furcht vor Komplikationen habe ich jedoch vor der
Installation mein Win 7 X64 neu installiert, um mögliche Fehlerquellen von
vornherein zu eliminieren. Als Rechner nutze ich ein MacbookPro (mid 2011,
Intel i5, 8 GB RAM) mit Bootcamp.
Die Installation von PowerSDR mRX verläuft
erwartungsgemäß und ohne Komplikationen. Nach der Installation ist nicht einmal
ein Neustart des Systems erforderlich. Ebenfalls ohne Probleme fand PowerSDR
den Anan mittels einer automatisch generierten IP-Adresse auf Anhieb. Die
übrigen Menüs und Einstellungen ähneln der aktuellen Flexradio-Version 2.6. Gut
gelungen finde ich die TX-DSP, mit welcher ich besser zu Recht komme, als es
unter PowerSDR 2.6 der Fall war. Für mich weniger nachteilig, aber insbesondere
für CWisten wesentlich ist die Tatsache, dass die Tracking Notch Filter fehlen.
Diese Eigenentwicklung von Flexradio steht HPSDR (vielleicht noch?) nicht zur
Verfügung.
Die Einbindung von third party software verläuft
routiniert wie von PowerSDR gewohnt. Programme wie der Virtual Serial Port
Emulator und Virtual Audio Cable gehören dabei zur Grundausstattung, damit
PowerSDR NF- und CAT-mäßig mit anderen Programmen zusammenarbeiten kann. In
diesem Zusammenhang empfehle ich nochmals T-Mate von Woodboxradio, da dieser
VFO-Knopf durchaus in der Lage ist, den Eindruck eines konventionellen TRX zu
vermitteln. Besonders vorteilhaft erweist sich T-Mate im Contest, da zum
Wechsel der Frequenz sowie für andere Einstellungen das Log stets das aktive
Fenster bleibt, da die Maus nicht über die PowerSDR-Konsole wandern muss. Mir
ist es oft passiert, dass ich versehentlich ein Rufzeichen eintippte, während
das Fenster PowerSDR noch aktiv war. Wer die Settings-Voreinstellungen aus
PowerSDR für die Tastatur kennt, der weiß, dass eine solche Fehlbedienung
unweigerlich zu einem heftigen Frequenzwechsel und zum Verlust des QSO-Partners
führt…
Die Rückseite mit vielen Anschlüssen - fast wie beim Flex 5000 |
Performance
Hinsichtlich der Performance gibt es aus meiner Sicht
über den Anan keine Klagen. Die vertraute Softwareoberfläche ist vielleicht aus
heutiger Sicht nicht mehr all zu modern, aber die Bedienelemente befinden sich
in einer übersichtlichen und zweckmäßigen Anordnung. Der RX des Anan ist
hervorragend und steht den Flexradios in nichts nach. Ob der Anan hinsichtlich
seiner RX-Eigenschaften besser performt, vermag ich nicht zu beurteilen, da
dies allenfalls sehr subjektive und wenig belastbare Feststellungen wären.
Allein über die guten 6m Empfangseigenschaften habe ich mehrfach in der
einschlägigen Yahoo-Group gelesen. Ein großer Vorteil des Anan liegt in der
sichtbaren Bandbreite des Spektrums. Mit einem maximalen Spann von 384 KHz im
Standardmodus kann fast jedes Amateurfunkband komplett betrachtet werden. Das
Verkoppeln von mehreren RX lässt folglich noch größere Sichtbereiche zu. Hier
stellt sich jedoch die Frage, inwieweit dies für den praktischen Betrieb
sinnvoll erscheint. Persönlich ist mir selbst 384 KHz Spann auf 40m zu viel, da
die Signale optisch schlicht zu klein werden. Ein zielgerichtetes Klicken mit
der Maus ist somit fast nicht möglich. Insbesondere die CWisten werden sich an
dieser Stelle fragen, wie sich der Anan insbesondere sendeseitig mit dieser traditionellen
Sendeart verhält. Leider kann ich hierzu keine Aussage machen, da ich diese
Sendeart (noch) nicht betreibe.
Für den Sendezweig erwähnte ich bereits, dass sich die
TX-DSP von PowerSDR für Flexradios unterscheidet. Nichtsdestotrotz erfolgen die
Einstellungen in ähnlicher Art und Weise. Abhängig vom verwendeten Mikrofon
lassen sich die Pegel passgenau einstellen und mit dem TX-Equalizer abrunden. Die
Ausgangsleistung von 100 Watt SSB ist problemlos auf allen Bändern erreichbar,
wobei auch bei längeren Durchgängen die Erwärmung des Anan vertretbar bleibt. Für
Dauerstrichbetriebsarten gilt beim Anan hingegen eine Grenze von 30 Watt.
Aufgrund der kompakten Bauform sollte die Begrenzung für längere Durchgänge
oder bei intensiven Contestbetrieb auch eingehalten werden. Für kürzere
Durchgänge scheinen jedoch auch bis zu 50 Watt Ausgangsleistung kein Problem zu
sein. Mehr Output ist ohnehin nicht empfehlenswert, da sonst die ALC über 0 dB
ansteigen kann. Für Digimodes hat sich eine maximale ALC von -3 dB als optimal
erwiesen. Hierzu sollte Output-Power auf 100 Watt gesetzt werden, wobei NUR mittels
TX-Gain im Einstellungsbereich DigU/L die gewünschte Sendeleistung eingestellt
wird.
12V DC Anschluss samt massiver Erdungsklemme |
Softwarealternativen
Für einen Flexradio-Nutzer ungewohnt, bietet der Anan
eine Fülle von Betriebssoftware. Je nach Geschmack des Bedieners lässt sich so
die für die eigenen Belange am besten geeignete Software auswählen. Dies gilt
derzeit vornehmlich für den Empfangsbetrieb, da die meisten Derivate nicht oder
noch nicht sendefähig sind. Mir persönlich gefällt cuSDR derzeit als
RX-Software am besten, da die grafische Oberfläche zukunftsweisend erscheint. Ähnlich
fortschrittlich und zum Preis von 150 Euro erhältlich, wirkt Studio 1 von
Woodboxradio. Soll der Anan nicht nur unter Windows, sondern auch unter Apples
Mac OS X genutzt werden, so bieten sich virtuelle Maschinen für den Betrieb an.
cuSDR harmoniert sehr gut mit Virtual Box von Oracle, während PowerSDR mRX sehr
gut unter Parallels 9 arbeitet. Im Archiv finden sich zu dieser Thematik
bereits eigene Beiträge.
Eine besondere Eigenschaft des HERMES-Boards liegt
darüber hinaus in der Möglichkeit, dass SDR auch als Vektoriellen
Netzwerk-Analyzer verwenden zu können. Mittels der Software (http://openhpsdr.org/wiki/index.php?title=VNA)
lässt sich die PA abschalten, sodass mit einer optionalen Reflexionsmessbrücke
SWR etc. bestimmt werden können. Zudem lassen sich auch selbstgebaute
Bandpassfilter ausmessen, was ebenfalls eine wichtige Ergänzung für das Hobby
darstellt.
Zum Schluss habe ich noch eine kleine Übersicht
vorbereitet, die anhand einiger Kriterien die Unterschiede zwischen dem Anan
100 und dem Flexradio 3000 verdeutlichen soll. Als Kernaussage ist
festzuhalten, dass beide Geräte hervorragend zum Amateurfunkbetrieb geeignet
sind. Der Anan entstammt jedoch einer jüngeren Generation von SDR, was die
teils umfangreicheren Fähigkeiten erklärt. Dafür bietet der Flex 3000 ein
bewährtes Konzept mit einem erstklassigen Antennentuner zu einem Preis, der im
Vergleich zum Anan deutlich günstiger ausfällt.
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